Chronik

Chronik des TSV 1890 Rauschenberg e.V.

Die Anfänge – Gründung im Jahr 1890

Der Turn- und Sportverein 1890 Rauschenberg e. V. kann auf eine über 125-jährige Geschichte zurückblicken. Gegründet wurde der damalige „Turn-Verein Rauschenberg“ am 17. Mai 1890 in der Gastwirtschaft Seibert durch 18 Rauschenberger Bürger.

Zu den Gründungsfiguren zählt insbesondere der Lehrer und Heimatdichter Valentin Traudt, der von 1885 bis 1902 in Rauschenberg wirkte und als treibende Kraft der Vereinsgründung gilt. Der erste Vorsitzende war Wilhelm Vial, das älteste Gründungsmitglied Johannes Buchenau.

Bereits kurz nach der Gründung nahm der Verein den Turnbetrieb auf. Unterstützt wurde er dabei unter anderem durch die Stadt Rauschenberg, die dem jungen Verein Holz für Turngeräte zur Verfügung stellte. Das Wintertraining fand zunächst im Saal der Gastwirtschaft Seibert statt.

Schon früh entwickelte sich ein lebendiges Vereinsleben mit enger Verbindung zu anderen Turnvereinen der Region, etwa in Kirchhain, Amöneburg und Wetter. Neben dem Turnen spielten auch gesellige Veranstaltungen und erste Theateraufführungen eine wichtige Rolle im Vereinsleben.

Valentin Traudt

Wachstum und Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg

Im Jahr 1895 erhielt der Verein eine Fahne der ehemaligen Bürgergarde, die feierlich umgestaltet wurde. Die Fahnenweihe fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt, auch wenn sie finanziell zunächst ein Defizit verursachte.

Um 1900 konnte der Verein bereits sein zehnjähriges Bestehen feiern und hatte sich sportlich wie gesellschaftlich fest etabliert. Neue Geräte, Lehrmaterialien und eine wachsende Mitgliederzahl prägten diese Zeit.

1908 wurde ein eigener Geräteschuppen am Turnplatz unterhalb der Burgruine errichtet. Finanziert wurde er durch Mitgliedsanteile, die später wieder zurückgezahlt oder gespendet wurden.

Auch sportlich erzielte der Verein Erfolge auf Gau- und Turnfesten, unter anderem in Frankfurt und Marburg. 1912 wurde erstmals eine Art Jugendarbeit betrieben, damals noch als „Spielgruppe“ bezeichnet.

Der Erste Weltkrieg brachte das Vereinsleben nahezu vollständig zum Erliegen.

Neuanfang nach dem Krieg und die 1920er Jahre

Nach dem Ende des Krieges begann 1919 ein vorsichtiger Wiederaufbau des Vereinslebens. 1921 wurde erstmals Fußball erwähnt, wenn auch nur kurzzeitig als Abteilung des Turnvereins.

Die 1920er Jahre waren von wirtschaftlichen Herausforderungen geprägt, insbesondere durch die Inflation. Dennoch blieb der Verein aktiv. 1923 entstand eine erste „Alte-Herren-Riege“.

Unter dem Vorsitz von Adolf Krämer gelang ab 1924 eine organisatorische und finanzielle Stabilisierung. 1925 wurde der neue Saal der Gastwirtschaft Seibert feierlich eingeweiht – ein wichtiger Mittelpunkt des Vereinslebens.

1928 wurde das 150-jährige Gedenken an Turnvater Jahn feierlich begangen, unter anderem mit einem Fackelzug und der Pflanzung der heutigen Jahneiche am Galgenberg.

Turnverein Rauschenberg in den Anfangsjahren
Trommler- und Pfeifercorps des Turnvereins 1929

Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Mit der Machtübernahme 1933 wurde das Vereinsleben im Deutschen Reich stark eingeschränkt und gleichgeschaltet. Auch der Turnverein Rauschenberg war davon betroffen. Die sportliche Betätigung wurde zunehmend durch politische Strukturen beeinflusst.

Der Zweite Weltkrieg führte schließlich erneut zum Erliegen des Vereinslebens.

Neubeginn nach 1945 und Entstehung des heutigen Vereins

Nach dem Krieg war der Sportbetrieb zunächst verboten. Erst 1946 entstand wieder ein Fußballverein in Rauschenberg. Bereits 1947 erfolgte die entscheidende Vereinigung mit dem Turnverein.

Am 29. Januar 1947 entstand daraus der neue Verein:
Turn- und Sportverein Rauschenberg.

Erster Vorsitzender wurde Erich Köstens. In dieser Zeit begann der Wiederaufbau des Sport- und Vereinslebens unter schwierigen Bedingungen.

1949 konnte der neue Sportplatz am Schlossberg eingeweiht werden. In den folgenden Jahren wurden Turnen, Leichtathletik und Fußball wieder aufgebaut und insbesondere die Jugendarbeit intensiviert.

05. Juni 1949 Einweihung des Waldsportplatzes gegen den SC Kassel

Aufbau, Erweiterung und sportliche Vielfalt (1950er–1970er Jahre)

In den 1950er Jahren entwickelte sich der TSV sportlich weiter. Es entstanden neue Mannschaften, und auch der Fußball erlebte zeitweise sportliche Erfolge.

1963 richtete der Verein erstmals das Gauturn- und Schwimmfest im neu erbauten Freibad aus. Gleichzeitig wurde die Jugendarbeit weiter ausgebaut.

Das 75-jährige Jubiläum im Jahr 1965 wurde groß gefeiert und zeigte die Bedeutung des Vereins für die gesamte Stadt.

Ab 1971 verfügte der Verein über ein eigenes Umkleidegebäude am Waldsportplatz. Im selben Jahr wurde der Verein als eingetragener Verein geführt und erhielt seinen heutigen Namen:

Turn- und Sportverein 1890 Rauschenberg e. V.

1970 entstand zudem erstmals eine Damenmannschaft, die bis 1982 am Spielbetrieb teilnahm.

1978 wurde die Fußballspielgemeinschaft SG Rauschenberg gemeinsam mit dem TSV Schwabendorf gegründet.

Sportliche Erfolge und Vereinsentwicklung ab den 1980er Jahren

Die 1980er Jahre waren von einer erfolgreichen Jugendarbeit geprägt. Mehrere Jugendmannschaften wurden Kreismeister und spielten auf höherem Niveau.

1987 erreichte die SG Rauschenberg einen sportlichen Höhepunkt mit dem Aufstieg in die A-Klasse sowie dem Gewinn des Kreispokals.

Auch im Jugendbereich wurden zahlreiche Titel und Erfolge erzielt, die den Grundstein für den Seniorenbereich legten.

Kreismeister B-Jugend mit Trainer Horst Siegert

Veränderungen in der Gegenwart

Die SG Rauschenberg wurde 2016 aufgelöst, die sportliche Zusammenarbeit wurde neu strukturiert. Dennoch blieb der TSV Rauschenberg ein zentraler Bestandteil des regionalen Sports.

Heute bietet der Verein ein breites Spektrum an Sport- und Gesundheitsangeboten. Neben Fußball gehören unter anderem Aerobic, Badminton, Faustball, Kinderturnen, Gymnastikgruppen, Rückenschule und Herzsport zum Programm.

Der TSV ist weiterhin ein offener Verein für alle Altersgruppen und ein wichtiger sozialer Treffpunkt in Rauschenberg.

Ein Verein im Wandel der Zeit

Seit seiner Gründung hat der TSV 1890 Rauschenberg zahlreiche gesellschaftliche, politische und sportliche Veränderungen erlebt. Vom Turnverein des 19. Jahrhunderts über die Aufbaujahre nach dem Krieg bis hin zum modernen Mehrspartenverein spiegelt seine Geschichte stets auch die Entwicklung der Stadt und ihrer Menschen wider.

Trotz aller Veränderungen ist eines gleich geblieben:
Der TSV ist ein Verein für die Gemeinschaft – damals wie heute.

Fotos aus der guten alten Zeit...